Wegen Raab? Plasberg läuft zur Höchstform auf

Spannender Talk über explodierende Mieten

Von FABIAN HARTMANN

Mieten-Explosion in deutschen Städten! 
Wer kann sich das noch leisten?

Normal- und Geringverdiener bekommen auf dem Wohnungsmarkt zunehmend Probleme. Am Montagabend berichtet eine Studentin (24) bei „Hart aber Fair“ wie zermürbend ihre Suche nach einer günstigen Wohnung war.

Frank Plasbergs Thema: „Mieter, Makler, Nebenkosten – wird Wohnen zum Luxusgut?“

► DIE TALKRUNDE

Mietrecht-Experte Jan-Marco Luczak (37, CDU), Vize-Chef des Deutschen Mieterbundes Eckard Pahlke (69), Grünen-Fraktionschefin Renate Künast (56) und der Generalsekretär der Eigentümerschutz-Gemeinschaft „Haus und Grund“, Andreas Stücke (53).

► DER MIETEN-TALK

„Die Wut steigt!“ Mit deutlichen Worten begrüßt TV-Talker Frank Plasberg seine Zuschauer am Montag im Ersten. Viele Menschen seien sauer, in den Ballungszentren steigen die Mieten schneller als die Einkommen.

Darunter leidet auch Plasbergs erster Gast, die Studentin Anna-Sophie Rolof (24). Sie sucht gemeinsam mit ihrem Freund in Hamburg eine Wohnung für maximal 700 Euro warm – doch in der ohnehin teuren Hansestadt ist das nahezu unmöglich. 30 Besichtigungen habe sie gehabt. Und nur Absagen bekommen.

Die Not auf dem Wohnungsmarkt sei sogar so groß, dass es inzwischen wieder Sympathie für die Hausbesetzer-Szene gebe – das behauptet zumindest Eckhard Palke vom Mieterbund.

Die unangenehme Rolle in der Runde, explodierende Mieten zu verteidigen, hat Andreas Stücke vom Eigentümer-Verband „Haus und Grund“. Er behauptet:

„Der Wohnungsmarkt ist kein Haifisch-Becken.“

PLASBERG IN BESTFORM

Doch sofort hakt Moderator Plasberg nach, widerspricht: „In Großstädten kann man sehr wohl davon sprechen.“

Plasberg präsentierte sich gestern ohnehin in hervorragender Form, ließ seinen Gästen keine Phrasen und Allgemeinplätze durchgehen.

Hat ihn die neue Konkurrenz durch Stefan Raab angespornt?

Als der CDU-Mann Jan-Marco Luczak referierte, dass es abseits der Großstädte sehr viel günstigen Wohnraum gebe, fiel ihm Plasberg pampig ins Wort: „Was macht es in den Großstädten denn besser, wenn es auf dem Land Wohnraum gibt?“ 

Und als „Haus-und-Grund“-Lobbyist Stücke nach einem Video-Einspieler, der Mietwucher belegt, von Zwangsmodernisierungen spricht, grätscht der Moderator wieder dazwischen: „Das hat damit überhaupt nichts zu tun.“

Inhaltlich war es vor allem die Grüne Renate Künast, die konkrete Forderungen gegen Mieten-Explosion und Wohnungsnot vortrug. Sie schlug vor, die Mieten auf angespannten Wohnungsmärkten zu begrenzen.

„Wir steuern sonst auf ein soziales Desaster zu“, warnte sie. Deutschland drohten Verhältnisse wie in New York oder Paris, wo die Reichen im Zentrum lebten – und die Armen in den Vororten. Schon jetzt sei es so, dass „in Ballungsräumen die Leute aus der Stadt rausgekickt werden“.

Staatliche Eingriffe in den Markt hält CDU-Politiker Luczak für Unfug. Er plädierte dafür, mehr Wohnungen zu bauen. Dass Vermieter in den Bestand investieren, sei sinnvoll. Allein schon aus Klimaschutzgründen.

Das findet auch Lobbyist Stücke: Wenn zu wenig Wohnraum angeboten wird, dürfe man Investoren nicht auch noch das Leben schwer machen.

Für Geringverdiener ist das nur ein schwacher Trost: Sie müssen heute schon knapp die Hälfte ihres Einkommens für die Miete aufwenden, wie Eckard Pahlke vom Mieterbund vorrechnete.

Hinzu kommen teilweise horrende Makler-Gebühren und falsch, nämlich zu groß, angegebene Wohnungen. Die Folge: der Verbraucher muss die Kosten tragen. 

Und wieder übernimmt Plasberg die Rolle des Anwalts der Zuschauer: „Wir können die Entfernung zum Mond genau ausmessen, aber keine Wohnung“, empört er sich.

 Da wollte selbst Haus-und-Grund-Lobbyist Stücke nicht widersprechen…..

► DAS FAZIT:

Klartext

-Talk mit Empörungsfaktor. Frank Plasberg brauchte keine überdrehten Gäste, um eine kurzweilige Sendung zu machen. Der Moderator war gut drauf, fragte immer wieder kritisch nach. Das Thema Mieten berührt die Menschen – das zeigten auch die verunsicherten Zuschauerstimmen, die am Ende der Sendung verlesen wurden.
Die Mieten werden weiter steigen. Zumindest einem kann das (fast) egal sein: Plasbergs Gast, die Studentin Anna-Sophie Rolof, hatte am Ende der Sendung ein günstiges Angebot für eine Wohnung bekommen. Im teuren Hamburg.

Quelle: Bild